Nach langem hin-
und her habe ich mich entschieden diesen Tag,
der mein Leben verändert hat, zu beschreiben.
Warum? Ich möchte allen Betroffenen und
Angehörigen Mut machen
und zeigen, dass man im Leben zwar oft
Schicksalsschläge hat, aber dass man nie
aufgeben sollte seine Ziele zu verfolgen.
Am Freitag, den
12.10.2007 kam ich total glücklich von der
Arbeit. Ich war Chefin eines Bastel-Geschäftes
mitten im Homberg. Unterwegs führte ich noch ein
paar
Schwätzchen mit Bekannten und Nachbarn, so wie
es halt in Kleinstädten ist. Ich hatte so vieles
vor und plante grad das Wochenende, da ich
endlich beide Tage frei hatte. Ich war sehr
stolz drauf, dass ich eine tolle Arbeit hatte,
dass ich im privaten Leben sehr zufrieden war
und dass ich alles mit meinem tollen Hobby
(Puppen modellieren) verbinden konnte ohne dabei
irgendwie in Stress zu geraten.
Am Samstag, den
13.10.2007 bin ich sehr früh, zumindest für
mich, wach geworden. Es war gegen 8 Uhr morgens
und ich hatte so starke Kopfschwindel und
Übelkeit, dass ich nicht mal aufstehen konnte.
Mein Mann schlief noch, aber wurde sofort wach,
als ich ihm rief und um ein Glas Wasser bat. Er
rannte sofort in die Küche und brachte mir
Mineralwasser... ich konnte das Glas nicht mehr
halten und nicht mehr trinken... ich habe
verzweifelt versucht mich hinzusetzen, aber es
gelang mir nicht. Ich konnte alles verstehen,
aber ich konnte auch nichts mehr sagen. Mein
Mann erkannte es sofort, dass ich Schlaganfall
hatte, er rief Krankenwagen an. Innerhalb von
paar Minuten kam der Notarzt und die Sanitäter.
Ich war nun
rechtsseitig vollständig gelähmt, konnte nicht
mehr sprechen und war richtig hilflos, dazu
konnte ich kaum was sehen und wenn ein Bild
wieder kam, dann waren es Doppelbilder.
Ich kam auf die
Intensivstation und nach ein paar
Untersuchungen, die ich nicht vollständig
mitbekommen habe, weil ich zeitweise immer
bewusstlos war, war es allen klar, dass meine
Überlebungschancen gering sind und wenn, dann
bleiben bestimmt Behinderungen da. Egal, jeder
kämpfe weiter um mein Leben und ich noch mehr.
Wie meine Tante immer sagte: "Der Gott will mich
noch nicht und der Teufel fürchtet sich vor
mir".
Es war ein
Blutgerinnsel, der aus ungeklärtem Grund in die
Blutbahn gelangt ist und schließlich eine Arterie
verstopft hat. Bis dahin war ich immer gesund,
ich habe kein Alkohol getrunken, "nur" geraucht,
aber laut Ärzteaussagen zu wenig für einen
Schlaganfall. Meine Blutwerte waren immer gut,
mein Blutdruck hervorragend.
Nach 3 Tagen war
ich schon fast ich selbst, ich konnte wieder
lachen und scherzte mit dem Pflegern. Es war
zwar schwierig zu sprechen und ich musste mich
sehr konzentrieren, aber ich konnte es wieder
und freute mich drüber. Die Doppelbilder
verschwanden und ich hatte wieder EINE Mama und
EINEN Mann :) Die Lähmung lies langsam nach,
aber ich konnte nicht einmal ein klitzekleines
Stückchen Brot halten. Das war das traurigste
für mich... ich musste immer dran denken, dass
ich nie wieder modellieren werde. Die
Physiotherapeutin machte mir immer Mut, aber es
war schwer zu verstehen, dass ich die harten
Brocken Masse wieder kneten kann, wenn ich nicht
einmal Kuli halten konnte. Es war so furchtbar,
dass ich mich nicht mal unterschreiben konnte...
Nach 2 Wochen
hatte ich genug von der Klinik, die Ärzte waren
zufrieden, ich konnte wieder langsam gehen und
bereits die Raucher draußen besuchen... Nein, ich
würde NIE wieder rauchen! Aber die machten
zumindest gute Stimmung ;)
Nun sollte ich
Reha machen... Horrorvorstellung, dass ich von
meiner Familie weg muss, außerdem wo sonst soll
es mir besser gehen wie Zuhause. Ich liebe meine
Familie, mein Zuhause und ich war fest davon
überzeugt, dass ich es mit Hilfe von meiner
Familie schaffe. So war es auch, ich kam nach
Hause und alles war super, ich lernte Tag
täglich meine Hand und mein Bein besser zu
bewegen. Lesen fiel mir äußerst schwer, da ich
mich dabei aufs Sehen und Konzentrieren
konzentrieren muss. Gar nicht so einfach.
Manchmal muss ich ein Text mehrmals lesen und
den Inhalt zu verstehen, aber es geht ebenfalls
immer besser. Beim Schreiben vertippe ich mich
sehr oft, aber ich kann es!
Nun nach knapp 3
Jahren geht es mir gut, ich habe zwar immer noch
Tage an den ich furchtbare Kopfschwindel und
Ohnmachtsanfälle habe, aber da sind die Ärzte
leider nicht im Stande mir zu helfen, obwohl ich
sehr oft das Gefühl habe, dass ich nach Aussehen
behandelt werde. Man sieht mir nichts an, daher
bin ich gesund. Ich weiß immer noch nicht, wieso
ich den Schlaganfall bekam. Ich bleibe aber
hartnäckig dran, ich will es wissen und ich will
mein Ohnmachtsgefühl endlich loswerden. Ich habe
nie aufgegeben und immer meine Ziele verfolgt,
es waren winzige Schritte, aber sie gingen immer
nach vorne... Mein neues Leben schätze ich mir
sehr und genieße jede Minute mit meiner Familie.
Die Zeit, die ich mit meinem Papa nach meinem
Schlaganfall verbracht habe, war sehr kurz. Er
war immer für mich da bis er uns 3 Monte nach
meinem Schlaganfall für immer verlies. Er
schlief friedlich auf der Couch als ich ihn
fand... leider für immer! Die Arbeit habe ich
natürlich verloren, aber mir wurde es
höfflicheweise gesagt, dass sie mich wieder
nehmen, wenn ich bereit wäre wieder zu arbeiten.
Ich habe alle meine Kräfte nun in meine Puppen
gesteckt, all meine Liebe und ich bin so stolz
drauf, dass ich wieder die harte Masse
auseinander kneten und ein Wesen daraus zaubern
kann. Es ist ein tolles Gefühl wieder ein
Bausatz auf dem Markt zu bringen. Baby Boo die
Liebe deines Lebens...
Wie ihr sieht es
lohnt sich weiterzumachen, das Leben ist auch
mit so einem Schicksalsschlag nicht zu Ende, es
ist immer noch wunderschön auch wenn es
vielleicht an dem einem oder anderen Tag sehr
"schattig" ist.
Ich möchte meinem
Mann danken, dass er mein Leben gerettet hat,
meine Mama und meiner Oma für all das was sie
immer noch für mich machen und meinen
Sohn, der immer an mich geglaubt hat. Ich liebe
Euch!

Wieso ich es
verheimlich habe?
Ich mag kein
Mitleid. Damals habe ich erst gelernt wer meine
Freunde sind, sie waren für mich da, es gab aber
auch viele, die ich für Freunde gehalten und
mich getäuscht habe.
Fazit:
Gibt niemals auf!
